Gespräche ….
über Matthias
zusammengestellt von C.L.
die Anfänge

Seine künstlerische Aktivität begann Matthias Kanka (geboren 1960 in Darmstadt, Deutschland) schon sehr früh während seiner frühen Kindheit. Die Faszination für Kunst begleitet ihn seit Beginn seines Lebens: Die Präsenz der Kunst war in seiner Wohnung immer spürbar – dank der Kreativität seiner Mutter, die zu Hause immer wieder neue künstlerische Aktivitäten entfaltete. Die „Malschule für Kinder“ für die Nachbarschaft in Darmstadt war eine persönliche Initiative der Mutter des Künstlers in ihrer Wohnung, da es in der lokalen Grundschule keinen Kunstunterricht gab.
Kanka selbst hat früh angefangen, mit beiden Händen zu zeichnen und zu malen, er hat dabei immer günstige Kunstmaterialien verwendet: Alltagsgegenstände wie Karton, Papier, Naturmaterialien, auch einfache Zeichenutensilien wie Bleistifte, Kohle, Buntstifte und Pigmente. Die Begeisterung des Künstlers für die Kunst zeigte sich in der Kombination aus dem Beobachten des Prozesses und dem Eingreifen in diesen. Die Leidenschaft für Kunst verband sich mit dem Interesse an Mathematik zusammen. 15 Jahre alt, also während der letzten 3 Jahre Gymnasium in Deutschland, hat Kanka Mathematik und Kunst Leistungskursen in einer sehr experimentellen Schule gewählt: Einer seiner Kunstlehrer war auch ausgebildeter Schreiner, hatte also eine doppelte Qualifikation. Nach dem Abitur hat Kanka die Kunstschule in Kassel besucht. Er hat dort Kunstpädagogik, Design und Kunstkritik in der interdisziplinären ausgerichteten Gesamthochschule in Kassel studiert. Hier war die Persönlichkeit des Professors Reiner Kallhardt in seiner Ausbildung für ihn höchstwertig. Der 1933 in München geborene Künstler Reiner Kallhardt absolvierte 1955 die Kunstakademie in München und 1958 die Kunsthochschule Kassel. Von 1970 bis 1971 war er Leiter des Kunstvereins München. Vom 8. Juli bis 16. August 1970 bringt Kallhardt die Ausstellung „Transform the world! Poesie muss von allen gemacht werden!“ aus dem Moderna Museet in Stockholm nach München. Diese vereinte russische Revolutionskunst und Surrealismus mit strukturalistischer Anthropologie und Dokumentationen des Pariser Mai 1968. In den Kunstverein München wurden von Kallhardt viele Studierende der Akademie eingeladen, um die Ausstellung zu aktualisieren. Schon länger kritisierten sie den Umgang mit Personen aus der Zeit des Nationalsozialismus, die nicht nur dort weiterbeschäftigt wurde. Aufgrund des Streits zwischen Vorstand, Mitgliedern und Kultusministerium wurde die Ausstellung vorzeitig geschlossen. Während der 80er Jahren, absolvierte Kanka ein akademisches Auslandsjahr in der Fakultät DAMS (Discipline delle Arti Figurative, della Musica, dello Spettacolo e della Moda) in Bologna (Italien): hier hat er die traditionelle Kunstgeschichte kennengelernt und parallel dazu visuell die Welt zu begreifen versucht. Die Begabung zum Zeichnen entwickelte sich in Italien: Kanka interessiert sich für komplexe Prozesse, die sich gleichzeitig durch die Hand in Zeichnungen ausformen. Später hat Kanka im Dramatischen Zentrum Wien bei Jorge Bernardi, einem Argentinier, mit ganz billigen Materialien zahlreiche Kostümen für Performances und Ballett entworfen. Seine Liebe zum Zeichnen kam hier besonders zu Hilfe und fand seinen Ausdruck: Jeden Tag gestaltete er mindestens 30 Skizzen für die Kostüme während kurzen theatralen Improvisationen.
Winter 1962
1978 – 1984

Seine künstlerische Aktivität begann Matthias Kanka (geboren 1960 in Darmstadt, Deutschland) schon sehr früh während seiner frühen Kindheit. Die Faszination für Kunst begleitet ihn seit Beginn seines Lebens: Die Präsenz der Kunst war in seiner Wohnung immer spürbar – dank der Kreativität seiner Mutter, die zu Hause immer wieder neue künstlerische Aktivitäten entfaltete. Die „Malschule für Kinder“ für die Nachbarschaft in Darmstadt war eine persönliche Initiative der Mutter des Künstlers in ihrer Wohnung, da es in der lokalen Grundschule keinen Kunstunterricht gab.
Kanka selbst hat früh angefangen, mit beiden Händen zu zeichnen und zu malen, er hat dabei immer günstige Kunstmaterialien verwendet: Alltagsgegenstände wie Karton, Papier, Naturmaterialien, auch einfache Zeichenutensilien wie Bleistifte, Kohle, Buntstifte und Pigmente. Die Begeisterung des Künstlers für die Kunst zeigte sich in der Kombination aus dem Beobachten des Prozesses und dem Eingreifen in diesen. Die Leidenschaft für Kunst verband sich mit dem Interesse an Mathematik zusammen. 15 Jahre alt, also während der letzten 3 Jahre Gymnasium in Deutschland, hat Kanka Mathematik und Kunst Leistungskursen in einer sehr experimentellen Schule gewählt: Einer seiner Kunstlehrer war auch ausgebildeter Schreiner, hatte also eine doppelte Qualifikation. Nach dem Abitur hat Kanka die Kunstschule in Kassel besucht. Er hat dort Kunstpädagogik, Design und Kunstkritik in der interdisziplinären ausgerichteten Gesamthochschule in Kassel studiert. Hier war die Persönlichkeit des Professors Reiner Kallhardt in seiner Ausbildung für ihn höchstwertig. Der 1933 in München geborene Künstler Reiner Kallhardt absolvierte 1955 die Kunstakademie in München und 1958 die Kunsthochschule Kassel. Von 1970 bis 1971 war er Leiter des Kunstvereins München. Vom 8. Juli bis 16. August 1970 bringt Kallhardt die Ausstellung „Transform the world! Poesie muss von allen gemacht werden!“ aus dem Moderna Museet in Stockholm nach München. Diese vereinte russische Revolutionskunst und Surrealismus mit strukturalistischer Anthropologie und Dokumentationen des Pariser Mai 1968. In den Kunstverein München wurden von Kallhardt viele Studierende der Akademie eingeladen, um die Ausstellung zu aktualisieren. Schon länger kritisierten sie den Umgang mit Personen aus der Zeit des Nationalsozialismus, die nicht nur dort weiterbeschäftigt wurde. Aufgrund des Streits zwischen Vorstand, Mitgliedern und Kultusministerium wurde die Ausstellung vorzeitig geschlossen. Während der 80er Jahren, absolvierte Kanka ein akademisches Auslandsjahr in der Fakultät DAMS (Discipline delle Arti Figurative, della Musica, dello Spettacolo e della Moda) in Bologna (Italien): hier hat er die traditionelle Kunstgeschichte kennengelernt und parallel dazu visuell die Welt zu begreifen versucht. Die Begabung zum Zeichnen entwickelte sich in Italien: Kanka interessiert sich für komplexe Prozesse, die sich gleichzeitig durch die Hand in Zeichnungen ausformen. Später hat Kanka im Dramatischen Zentrum Wien bei Jorge Bernardi, einem Argentinier, mit ganz billigen Materialien zahlreiche Kostümen für Performances und Ballett entworfen. Seine Liebe zum Zeichnen kam hier besonders zu Hilfe und fand seinen Ausdruck: Jeden Tag gestaltete er mindestens 30 Skizzen für die Kostüme während kurzen theatralen Improvisationen.
1984 – 1987

Das Dramatische Zentrum Wien war ein Ort für experimentelles Theater in Österreich. Dieses Zentrum wollte einer stagnierenden Theaterlandschaft neue Impulse geben und die Wiener Theaterszene mit den großen Theaterneuerungen, die in anderen Teilen Europas, den USA und anderen Teilen der Welt stattfanden, vertraut machen. So organisierte das Dramatische Zentrum im Laufe der Zeit Austauschprogramme mit einigen der interessantesten Theater Europas wie dem Theater National Populaire, der Berliner Schaubühne, dem Mailänder Piccolo Teatro und dem Theater de Soleil. Beim Dramatischen Zentrum Wien gab es unterschiedliche Direktoren. Leider wurden im Jahr 1988 nach einem kritischen/diffamierenden Artikel in der Kronen Zeitung die Förderungen für das Dramatische Zentrum Wien eingestellt.
Kankas Skizzen für das Dramatische Zentrum Wien waren die Entwürfe der Kostüme, die eigens für die Performer des Theaters gefertigt wurden. In Kankas Skizzen kann man den Kontrast und die Zusammenwirkung zwischen unterschiedlichen Farben beobachten: zum Beispiel Schwarz/Rot oder Rot/Gelb. Hier wird die Leidenschaft des Künstlers für Farbkombinationen deutlich: das Zusammenspiel der Farben, wie sie miteinander agieren und welche Farbe die andere dominiert. In den Schablonen der Kostüme zeigt Kanka seine Leidenschaft für den Suprematismus und die russische Avantgarde-Bewegung in der Kunst: ganz besonders die geometrische Abstraktion des russischen Malers Kazimir Severinovič Malevič (1879-1935). Kanka interessiert sich auch für die Stanislawski-Technik: eine revolutionäre Methode, die in der Geschichte der Schauspielerei entwickelt wurde. Stanislawski wollte eine natürliche, authentische und psychologische Tiefe des Schauspielens entwickeln. Die Schauspielerei beruhte damals auf melodramatischen Gesten und übertriebener Mimik. Stanislawski glaubte an eine Abkehr von dieser Künstlichkeit und versuchte, eine tiefere Verbindung zwischen dem Schauspieler und seiner Figur herzustellen. Kanka war aber vor allem von den Arbeiten der russischen Avantgarde und hier von Meyerhold begeistert. Dieser entwickelte ein neues Theaterkonzept: statt des traditionellen Barocktheaters mit einer zweidimensionalen Bühne entwickelte er ein dreidimensionales Theater mit Aufhebung der Trennung zwischen Bühne/Publikum/Außenwelt. Die Idee war, einen Raum zu schaffen, in dem das Publikum und die Zeremonie ideell und räumlich vereint waren. Das Bühnenbild ist dort nicht mehr, wie im Barocktheater oder in Wagners Theater konzipiert, sondern als ein vierdimensionaler, kubistischer Bühnenraum, der für unterschiedliche Zuschauer funktionieren muss.
Für Kanka hat die Bühne mehrere Dimensionen: hier gibt es keine Trennung zwischen Publikum und Aktoren. Das Ergebnis ist eine gemeinsame Performance, wo Publikum und Aktoren zusammenstehen: eine Vermischung zwischen Aktion und Wahrnehmung. Kanka versucht, dies alles graphisch zu organisieren. Er sucht nach Wegen der Darstellung, diese Simultaneität im Raum aufzuzeigen: der Raum ist der einer gemeinsamen Performance, wahrgenommen von unterschiedlichen Blickpunkten und unterschiedlichen Aktionen.
Während verschiedener Berlin-Reisen in den 80er Jahren hat sich Kanka für das Piscator-Theater interessiert: er hat Erwin Piscators Bühnen (zwischen 1927 und 1931) im Ost-Berlin in der Humboldt-Bibliothek kennengelernt. Nach einem Ausbildungsjahr an der Akademie DAMS in Bologna zog Kanka nach Rom. Hier hat er bei der römischen Accademia delle Belle Arti studiert und bei einer kleinen lokalen Theatergruppe mitgearbeitet: „abraxa-teatro“. Sehr wichtig war für ihn seine Professorin für Geschichte des Theaters in Rom: Verduzzo. Später entwickelte er für die Gruppe ein weiteres Bühnenbild, das von Kanka in Rom gezeichnet wurde: in diesem konzipiert er die Idee des Theaters als Boxkampf. Während der römischen Jahre hat Kanka angefangen, sein Abschlussexamen für die Universität in Kassel vorzubereiten. Thema der Forschung war eine detaillierte Dokumentation der praktisch-künstlerischen Arbeit mit theoretischer Darstellung über eine kleine Theatergruppe in Rom mit dem Thema „vom reproduktiven zum produktiven Theater.“ Die theoretische Prüfung an der Universität in Kassel war mit Prof. Hubertus Gassner, einem deutschen Kunsthistoriker und Kurator. Von 1981 bis 1991 hatte Prof. Gassner eine Assistenzprofessur für Kunstgeschichte in Kassel inne. Von 2006 bis 2016 war er der Direktor der Hamburger Kunsthalle. Hubertus Gassner war die zweite wichtige Persönlichkeit für Matthias Kankas künstlerische Ausbildung, weil er ihm die russische Avantgarde in Kunst, Suprematismus und Konstruktivismus nahe gebracht hat. Dank Gassner hat Kanka die Theorien von Carl Einstein (1885-1940) für die Avantgarde des 20. Jahrhunderts in Literatur und Kunst, sowie deren wechselseitige Beziehung, für Kunsttheorie und Kritik der Moderne, kennengelernt. Ganz besonders wichtig war für Kanka Einsteins politische Aufwertung des Kubismus. Carl Einstein sah im Kubismus und der primitiven Kunst eine Chance zur ästhetischen Gesellschaftsveränderung, indem diese Stile die passive Abhängigkeit der Kunst von politischen Bedingungen aufbrachen und eine ästhetische Transformation ermöglichten. Aufgrund unterschiedlicher künstlerischer Auffassungen mit den Entscheidungen des Regisseurs setzte Kanka seine Arbeit mit der römischen Theatergruppe „abraxa-teatro“ leider nicht fort.
(siehe hier Seminararbeit aus dem Jahre 1985 „Landschaft in uns – Landschaft um uns“)
(c.l.)
1987 – 1988

1987 schloss Kanka die Universität ab und wollte etwas Verbindlicheres realisieren. Deswegen bewarb er sich beim Akademischen Austauschdienst als Deutsch-Assistent in Italien und erhielt eine Stelle in Vicenza am Istituto Magistrale Fogazzaro.
Die professionelle Erfahrung in Vicenza war für Kanka großartig: er hat in dieser Stadt bezaubernde Lehrer*innen kennengelernt, in drei verschiedenen Schulen mit kleinen Lerngruppen gearbeitet. Kanka integrierte sich sofort in das kulturelle Leben der Stadt Vicenza. Darüber hinaus trifft er hier eine Gymnastiklehrerin, die eine Tanzschule hatte, und zusammen haben sie eine Tanztheatergruppe gegründet: Gruppo Ricerca Danza (1988). Bei dieser Gruppe arbeitete er als Bühnenbildner und gestaltete Plakate für die Aufführungen im Theater S. Marco. Er trat hier auch selbst auf der Bühne auf. Die Gruppe bestand aus Schülerinnen des Istituto Magistrale – Mädchen aus teilweise nicht so privilegierten lokalen Familien mit einfacher Bildung. Diese Mädchen lernten fünf Stunden pro Woche Deutsch. Mit ihnen fuhr er auch nach Wien, um Museen und die Stadt zu besichtigen.
(c.l.)
1989 – 1990

In den Jahren 1989–1990 war Kanka in Frankfurt (Deutschland), um dort sein Referendariat an einer deutschen Schule zu absolvieren, um anschließend Lehrer zu werden. Er musste 12 Stunden pro Woche eigenständig unterrichten, Seminare besuchen und sich regelmäßig mit den Tutoren treffen; dies bedeutete, 6 Stunden pro Woche pädagogische Zusatzausbildung zu absolvieren und insgesamt 12 Hospitationen (Unterrichtsproben – Lehrproben – Unterrichtsentwürfe) zu bewältigen. Während dieser Jahre war das kunstpädagogische Buch von Gunter Otto und Maria Otto für Kanka sehr grundlegend: „Auslegen. Ästhetische Erziehung als Praxis des Auslegens in Bildern und des Auslegens von Bildern“.
Während Kankas Frankfurter Jahre ist seine Lehrtätigkeit besonders intensiv. Seine künstlerische Tätigkeit verlangsamte sich: keine politische Propaganda mehr. Wir befinden uns in den Jahren, die durch die Kunstrichtung der italienischen Transavanguardia bestimmt waren. Diese kam Anfang der 1980er Jahre in der italienischen Kunstszene auf. Es entstand eine neue Art von Expressionismus, die eine Rückbesinnung auf die figurative Malerei und einen Rückgriff auf die traditionellen künstlerischen Techniken der Zeichnung, Malerei und Bildhauerei bedeutete.
Die Klassenräume an der Frankfurter Schule hatten keine festen Sitzordnungen, sodass die Schülerinnen flexibel in Gruppeninseln arbeiten konnten. Die Schülerinnen waren 15–16 Jahre alt, und Kanka begeisterte sie mit innovativem und kreativem Unterrichten: zum Beispiel verschiedene Materialien von Menschen und Natur sammeln und zusammen kombinieren, um verschiedene Kunstwerke zu entwickeln. Die Kunstwerke wurden in Dia-Glasrahmen erstellt und anschließend mit dem Projektor projiziert – so entstand ein Spiel zwischen Mikro und Makro. Die Ergebnisse sind hochspannend: Die Schülerinnen haben verschiedene Objekte gesammelt, einige sogar Insekten – lebende und tote. So entstand eine Mischung aus Biologie- und Kunstunterricht. Mit dieser Schülerinnengruppe und den gemeinsamen Aktivitäten absolvierte Kanka seine Abschlussprüfung.
(c.l.)
1990 – 1995

1990 zog Kanka nach Rom und begann dort eine neue berufliche Erfahrung: Er arbeitete nun als offizieller Übersetzer (Deutsch–Italienisch) für VOEST-Alpine im Bereich Industrieanlagen und Hüttenindustrie. VOEST Alpine aus Österreich hat den Projektauftrag von einer Firma (einem Stahlwerk in Pomezia, Italien) erhalten: Ein neuer Ofen der Firma sollte erbaut werden, und Kanka musste alle technischen Unterlagen und Anweisungen für die lokalen italienischen Mitarbeiter übersetzen. Nach neun Monaten war die neue Maschine fertig und funktionstüchtig: 20 Tonnen Altmetall wurden in nur zwei Stunden zu flüssigem Metall verarbeitet.
Nach dieser Erfahrung heiratet Kanka, bekommt zwei Kinder, baut fast allein eine neue Familienwohnung und hat die Möglichkeit, beim römischen Schulamt zu unterrichten. 1992 bestand er den offiziellen Wettbewerb in der Klasse „Conversazione in Lingua Tedesca“. Die tollste Schule, wo er gearbeitet hat, war ein Tourismusgymnasium. In Rom hat er auch sein Italienisch verbessert, um die Lehrbefähigungsprüfung für Kunstgeschichte in Italien zu bestehen. In der Zwischenzeit arbeitete er weiterhin in der Theatergruppe Abraxa. Kanka entwarf für sie eine mobile Theaterbühne mit Vorhängen. Darüber hinaus entwickelte er eine sehr komplexe und imposante Szene (etwa 20 x 8 Meter) für ein Theater bei Porta Portuense (Rom). Das Projekt sah Wasser vor, wie in einer Gladiatorenarena, um einen Boxkampf unter Lampen durchzuführen. Es gab aber auch eine Schaukel und verschiedene Zirkuselemente. Diese fantasievollen Bühnenelemente aus Stahl wurden vom Künstler eigenhändig erbaut.
Loplop
(c.l.)
1996 – 2001

Von 1997 bis zum 2001 sollte er ins Ausland, da seine erste Frau eine Stelle am Ministerium erhalten hatte. Zusammen mit seiner Frau hat das Paar Rio de Janeiro als neuen Wohnort gewählt. Während seiner Zeit in Brasilien kümmerte sich Kanka um seine Kinder, arbeitete für das Italienische Kulturinstitut und unterrichtete am Fachbereich Romanistik der Universität von Rio de Janeiro italienische Kunstgeschichte.
An der Schule „Escola de Artes Visuais do Parque Lage (EAV)“ lernte Kanka den Künstler und Maler Professor Orlando Mollica kennen. Die Schule befindet sich direkt unter der Skulptur Cristo Redentor, in einer ehemaligen privaten Villa, die ein Zuckerbaron für seine italienische Geliebte errichten ließ. In den Sommerferien gab es dort auch eine Kunstschule für Kinder. An der Akademie bei der EAV werden keine professionellen Modelle engagiert, sondern normale Passanten von der Straße, die oft gar nicht wissen, was ein Kunstatelier ist, oder einfache Mitarbeiter*innen der Schule. Die Kurse und die Zeichensitzungen sind sehr produktiv: Alle Zeichnungen liegen am Ende auf dem Boden, während alle im Gespräch um die Arbeiten herumsitzen, um die Entstehung der finalen Kunstwerke zu besprechen. Kanka entfaltete hier eine produktive Zeichenpraxis und fertigte tausende von Skizzen an: der Schaffensprozess des Künstlers ist hier wie eine Performance, unverzögert und gedankenschnell. Im Malereikurs bei Orlando Mollica entdeckte Kanka für sich den Malprozess: das Tun, den Zufall, die Liebe zur Materialität, die chromatische Vielfalt, den Prozess sowie den Umgang mit Formen und Farben. Seit 1978 hat Kanka nicht mehr gemalt, fing aber hier in Rio de Janeiro an, erneut zu malen. Ölfarben nutzte er kaum, dafür arbeitete er intensiv mit Fett-Tempera. Um die chemischen Prozesse im tropischen Klima zu kontrollieren, setzte er Aspirin ein: seine Küche wurde so zu seinem Alchemie-Labor.
(c.l.)
2001 – 2006

Zwischen 2001 und 2005 lebte Matthias Kanka mit seiner Familie in Montevideo, Uruguay (Lateinamerika). In seinen Augen ist Uruguay das schönste Land Südamerikas: ein ideales und mildes Klima, nicht zu warm im Sommer und nicht zu kalt im Winter. Aus soziopolitischer Perspektive gesehen, ist Uruguay gar kein vertikal strukturiertes Land, sondern auch eine horizontale Demokratie, was dieses Land vom Rest des Kontinents unterscheidet; Uruguay ist im Schatten seiner Nachbarn Brasilien und Argentinien zur Vorzeigedemokratie Südamerikas geworden. Dieser soziale und wirtschaftliche Erfolg ist erstaunlich für dieses kleine Land – halb so groß wie Deutschland, mit nur knapp der Hälfte der Einwohner der Schweiz. Schließlich hat das Land seine Spitzenstellung in der direkten Nachbarschaft von großen Staaten wie Brasilien und Argentinien erreicht.
Die lokale Kunstszene hat Kanka stark beeinflusst: hier hat der Künstler in seinem Atelier ausgiebig gemalt und gezeichnet sowie eine persönliche Ausstellung aufgebaut. Kanka hat in Montevideo zwei historische künstlerische Positionen kennengelernt: José Cúneo-Perinetti (1887-1977) mit seinem magischen Symbolismus und fantasievollen Landschaften, sowie Joaquín Torres-García (1874–1949), einen der Hauptvertreter der Abstraktion in Lateinamerika, der die Idee eines „Universellen Konstruktivismus“ entwickelt und theoretisiert hat.
Kanka hat mit seinen Kindern viel Freizeit im Nationalmuseum für Bildende Kunst von Montevideo (El Museo Nacional de Artes Visuales de Montevideo) verbracht: Ein wunderbares Museum mit kostenlosem Eintritt und einer Sammlung bildender und visueller nationaler Kunst. Darüber hinaus arbeitete Kanka mit der lokalen zeitgenössischen Kunstszene zusammen: er hat die Ateliers von Clever Lara und Martin Vergés regelmäßig besucht und an verschiedenen Kursen teilgenommen. In Clever Laras Atelier hat er in der Tiefdruckwerkstatt gearbeitet und unterschiedliche Radierungen erstellt. 2004, im Rahmen einer Kulturinitiative am alten baufälligen Hauptbahnhof General Artigas, erhielt Matthias Kanka – wie viele andere lokale Künstlerinnen – die Möglichkeit, einen der vielen kleinen Verwaltungsräume als persönliches Atelier anzumieten. Parallel zu seiner eigenen künstlerischen Aktivität hat Kanka Kunsterziehung an der einzigen Deutschen Schule der Stadt Montevideo unterrichtet. Die Deutsche Schule wurde im Jahre 1857 gegründet und nahm ihren Betrieb in der Straße Pérez Castellano 108, Montevideo auf. Der Unterricht erfolgte ausschließlich auf Deutsch und ihr pädagogisches Konzept basierte auf dem Spiel als Lernmethode. Kanka hatte hier eine wunderbare Zeit, trotz der unterschiedlichen Vorstellungen der drei Kolleginnen aus Uruguay, die dort als Zeichenlehrerinnen tätig waren. Seine Fachinhalte waren dagegen Kunstgeschichte, Kunstkritik, Zeichnen, Malerei, Kunstperformance und kollektive Aktionen. Kanka hat dort auch einige Wandbilder mit den Schülerinnen realisiert sowie Kunstausstellungen mit den Abiturient*innen veranstaltet.
(c.l.)
