G……en.
Zeichnungen 2009 – 2019
2009
2010
2011
2012





Wie eine Filmgeschichte:
Ein Mann sucht Arbeit
Der Mann fragt nicht nach Würde, nur nach Beschäftigung. Die Szene ist zeitlos und doch präzise datierbar: Es sind die Jahre der Wirtschaftskrise 1928–29, als Millionen Deutsche ihren Halt verloren und die Weimarer Republik zu schwanken begann. Im Hintergrund steht ein Tisch: ein schwerer, neoklassizistischer Eichentisch, deutsch in seiner Solidität, bürgerlich in seinem Anspruch. Ein Möbelstück, das Ordnung und Stabilität verspricht, aber nur Kulisse ist. Eine leise Reminiszenz an Fabio Mauris Kunstkonzert, das mit Kankas Unterstützung im Goethe-Institut Rom wieder aufgeführt wurde: auch dort war das Mobiliar nicht neutral, auch dort sprach das Objekt von einer Ideologie, die sich in Formen eingeschrieben hatte.
Der Matrose aus Kiel
Im November 1918 weigerten sich die Matrosen der deutschen Hochseeflotte, in einen sinnlosen Endkampf zu fahren. Die Kieler Matrosenrevolte war der Funke, der die Revolution entzündete: das Ende des Kaiserreichs, der Anfang von etwas Ungewissem. Kein Kanonenfutter mehr: ein Satz, der wie eine Befreiung klingt und doch den Abgrund öffnet. Nach dem Krieg kam der Protest gegen das Militär, gegen die alte Ordnung, gegen die Generäle, die das Land in den Untergang geführt hatten. Russische Ideen strömten nach Deutschland, wurden aufgesogen, verwandelt, radikalisiert. Die Partei brauchte eine Theorie: eine philosophische Sprache, die autoritäre Politik als historische Notwendigkeit erscheinen ließ.
Hitler
Hitler ist nicht die Ursache, er ist das Symptom: der Ausdruck einer Gesellschaft, die Halt suchte und Verhängnis fand. Der Mann, der Arbeit sucht. Der Tisch, der Stabilität verspricht. Der Matrose, der Nein sagt. Sie alle sind Szenen aus derselben Filmgeschichte — einer Geschichte, die kein gutes Ende hat und deren Bilder noch immer nachwirken.
